Zum Verkauf der Zucker-Bär-Villa: Mehr als Lebkuchen und Bärendreck

Ein Beitrag von BV am 21. April 2010.

Seit Jahren setzt sich der Bürgerverein St. Leonhard / Schweinau entschieden für die Rettung der Zucker-Bär Villa ein, seit Anfang 2008 wurde verstärkt die Initiative ergriffen, die Öffentlichkeit auf den himmelschreienden Verfall des exponierten Industriekulturdenkmals aufmerksam zu machen und nachdrücklich zur Rettung der Villa aufgefordert. Entsprechend groß ist nun die Freude aller Beteiligten über die Trendwende durch die erfolgreiche Versteigerung an einen ambitionierten Entwickler.

Erfahrener Projektentwickler sorgt für Optimismus

„Sehr zuversichtlich stimmt uns, dass mit der Fürther P&P Gruppe ein erfahrener Spezialist den Zuschlag bekommen hat, dessen Kernkompetenz in der hochwertigen und stilvollen Symbiose von Alt und Neu, von Baudenkmälern und Neubauten liegt – und damit weit weg vom trübseligen Supermarkt-Bau.”, freut sich der Vereinsvorsitzende Felix Geismann. „Wer den herausragenden Fürther Südstadtpark, das Stadtpalais an der Ottostraße oder auch die elegante Lösung für nicht ganz unproblematische Bausubstanz wie die alte „Carrera”-Fabrik kennt, dem kann mit dem Zuschlag für Peter & Partner nur ein Stein vom Herzen fallen und den kann die Ankündigung die Zucker-Bär Villa zum zentralen Blickfang zu machen, nur erwartungsfroh stimmen.”, begründet Geismann die Zuversicht bezüglich des neuen Investors, macht jedoch auch klar dass man nicht nur diesen an seinen Referenzen und Ankündigungen messen wird: „Wir hoffen, dass auch die Stadt Nürnberg aus ihren jahrzehntelangen Fehlern im Umgang mit Baudenkmälern im Allgemeinen wie auch in Sachen Zucker-Bär im Speziellen gelernt hat und tatkräftig an einer hochwertigen Entwicklung mitarbeitet.” Auch weil es maßgeblich dem Einsatz des Bürgervereins mit zu verdanken ist, dass der rund dreißigjährige Verfall der in der Bevölkerung ausgesprochen beliebten Neurenaissance-Villa nun ein Ende finden wird, fordert der Bürgerverein frühzeitig in den Projektentwicklungsprozess eingebunden zu werden.

Monopol-Patente auf Lakritze und Goldmedaillen für Jugendstilkunst

Nicht oft genug kann die kultur- und industriegeschichtliche Bedeutung des Anwesens unterstrichen werden, die nicht erst 1913 mit Karl Bärs Lebkuchen und Lakritze (vom Firmennamen stammt auch das Nürnberger Wort “Bärndreck”) begonnen hat: Bereits 1900 zog hier die europaweit renommierte Jugendstilmanufaktur Walter Scherf, später „Isis” / „Osiris” ein, die mit dem gesamten who-is-who des deutschsprachigen Jugendstils von Peter Behrens über Joseph Maria Olbrich bis hin zu Friedrich Adler zusammenarbeitete und folgerichtig von 1902 bis 1907 zahlreiche Goldmedaillen auf den zeitgenössischen Weltausstellungen sammelte. So fehlt es für den jetzt beginnenden Prozess auch nicht an Ideen, Geismann: „Diese große Geschichte bietet zahlreiche identitätsstiftende Anknüpfungspunkte für eine hochwertige Entwicklung des Areals und damit einen Impuls für den ganzen Stadtteil.”
Quelle: http://bv-leonhard-schweinau.de/21042010/verkauf-der-zucker-baer-villa-mehr-als-lebkuchen-und-baerendreck

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